2016/01/05

In der Ecke stehen

 Marlene Dietrich von Irving Penn
1948, New York

Ich war schon immer ein Mensch, der seine Freiheit braucht. Ich liebe das Weite, suchte in meiner Jugend oft die Ferne auf. Meistens allein und wenn dann in temporärer Begleitung von Fremden. Alles andere engt mich ein. Sobald ich das Gefühl verspüre, keine komplette Freiheit zu genießen sehe ich schwarz. Es ist nicht immer leicht sich im Angesicht der Tatsache, dass mittlerweile mehr als 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben, als freier Mensch zu behaupten. Zu oft wird man der Gefahr ausgesetzt, sich von Meinungen anderer beeinflussen zu lassen und letzten Endes als ein homogenes Massenprodukt zu bestehen.
Ich werde nicht so enden.
Das versprach ich mir jedoch erst im Alter von 47 Jahren. Viel zu viele Tage hatte ich zuvor damit verschwendet, in der Ecke zu stehen. Schaute ich nach Links, sah ich das selbe auch zu meiner Rechten. Alles gleich und alles grau. Ohne Struktur, nur kalter, grauer Beton. Ich fing an mich in der Endlosigkeit zu verlieren, konnte kaum atmen aber auch nicht damit aufhören. Es war eng. Am Schlimmsten war jedoch der Blick nach unten. Unten war Struktur, jedoch so unsinnig und unbarmherzig, dass es mir beinahe den Verstand raubte. Nach links, rechts und unten starrend lebte ich fort.

Tag ein, Tag aus, Tag ein, Tag aus – stopp.

Was lag eigentlich vor mir? Und warum, warum nur kam ich nicht schon früher auf die Idee, darüber nachzudenken? Ich war doch schon immer ein Mensch, der Selbstreflexion als notwendiges Bedürfnis ansah. War ich zu sehr der Routine verfallen? Immer wieder war ich Opfer meiner eigenen Gewohnheiten geworden. Das engte mich ein, ich engte mich ein.

Heute stehe ich immer noch in meiner Ecke. Auf beiden Beinen und auf grauem Boden. Was links und recht von mir ist, kümmert mich jedoch schon lange nicht mehr. Das Vorne ist es, worauf ich mich konzentriere. Die weite Ferne, die Bewegungsfreiheit fordert. Nicht mehr eng sein sondern frei.

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Im 3. Semester meines Fotografie-Studiums habe ich ein Seminar belegt, welches sich 'Texte zu Bildern' nennt. Wie der Name des Seminars schon verrät, geht es darum, Bildern / Fotografien / Postkarten oder anders visualisierten Gegenständen Worte zu schenken. Insgesamt wird über ca. 10 Bilder geschrieben, sodass letzten Endes eine Hausarbeit aus den einzelnen Texten entsteht. Was den Inhalt des Textes, sowie die Länge, angeht, sind wir völlig frei. Man kann sich eine fiktive Geschichte einfallen lassen, einen Brief verfassen, oder aber auch ganz nüchtern recherchieren was es mit dem Bild auf sich hat. Da ich es sehr gerne mag, mir ganz willkürliche Geschichten einfallen zu lassen oder Themen aufzuarbeiten, die mich privat beschäftigen, entscheide ich mich meistens für die fiktive Variante. Ich hoffe, euch gefällt mein kleiner Text und der Bogen, den ich versucht habe zur obigen Fotografie zu schlagen. Liebe Grüße!

2015/11/19

Ich möchte...















Hallo an alle lieben Menschen da draußen, die ihren Weg auf meinen, gerade ins Leben gerufenen, Blog gefunden haben. Ich nehme mir fest vor, diesen Blog mehr sein zu lassen, als eine oberflächliche Chance, sich im Internet zu präsentieren. Ich möchte Bilder zeigen und sie sprechen lassen. Ich möchte fremde Menschen anhand selbst geschriebener Texten zum Nachdenken bringen. Ich möchte Dinge, die mich inspirieren, weiter verbreiten und somit anderen Inspiration schenken. Und ich möchte beurteilt werden. Ich möchte wissen, was andere inspiriert und was andere weiter tragen.
Es wäre mir eine Freude, wenn mir mein Vorhaben gelingt. Mit fest gedrückten Daumen und einem etwas nervösen Grummeln im Bauch werfe ich mich hinein, in die hart umkämpfte Blogger-Welt.